Die Genussverstärker-Kolumne von Gottfried Brückner im September 2013

Na so was - Bier vom Winzer !?

Inzwischen ist September und der Herbst ist da. Erste Gedanken an Weihnachten kommen auf, denn in vier Monaten sind wir schon im neuen Jahr und alle Weihnachts- und Neujahrsfeiern längst durch. Aber denkste, so hartnäckig wie der diesjährige Winter war ist jetzt auch der Sommer. Was mich persönlich sehr freut. Denn so oft wie dieses Jahr habe ich meine Terrasse schon lange nicht mehr genutzt.

Heute ist Freitag, 6. September, der Himmel wolkenlos und das Thermometer zeigt 31° C im Schatten. Wunderherrliches Wetter für mein Lieblingsthema Bier. Denn dieser Tage habe ich mal wieder was Neues entdeckt, worüber es sich zu schreiben lohnt. Dass Rheinhessen inzwischen viele preisgekrönte Winzer aufzuweisen hat mit vorzüglichen Produkten, ist ja längst kein Geheimtipp mehr. Aber dass es nun auch Winzer gibt, die sich dem Thema Bier widmen, war mir bis vor kurzem neu.

Doch man liest ja Zeitung und da stand vor ein paar Wochen zu lesen, dass einer der beiden Söhne von Winzer Sander in der Nähe von Worms im Weinkeller eine Brauerei aufgebaut hat und bereits 4 verschiedene Sorten Bier braut. So was ist immer spannend. In diesem Fall waren läppische 25 km zu fahren, um diese Besonderheit zu begutachten. Und los…

Heute Abend habe ich mir als erstes das grüne GWEN zur Verkostung ausgesucht. GWEN ist das Weizenbier. Es besteht aus Weizenmalz, Gerstenmalz, Aromahopfen, Bierhefe und natürlich Brauwasser aus der Region. Und alles aus biologischem Anbau!

Weil es was Besonderes ist, nehme ich auch ein besonderes Glas für die Verkostung, was sich bereits beim ersten Schluck absolut lohnt. Mit einem Wort: Genial! Niemals zuvor habe ich ein Weizenbier derart riechen können. Die Hefe ist präsent, aber die Malznoten dominieren derart, wie ein nach einem leichten Landregen frisches feuchtes Korn vom Feld zwischen den Fingern zerrieben riecht. Natur pur. Der Schaum umsäuselt die Zunge regelrecht liebevoll, lässt jede Nuance aus Korn und Hopfen schmecken. Selbst wenn im Glas kaum noch Schaum übrig ist, im Mund ist er sofort wieder da und transportiert Geschmack pur. Alle Achtung!

Da ich mir nach dem Gespräch mit Winzer Sander sen. über die Historie, wie dieses Bier entstanden ist, schon dachte, dass ich hier auf etwas wirklich besonderes gestoßen bin, habe ich mir natürlich auch eine sehr besondere Cigarre zu diesem Bier ausgesucht. Wenn es das Bier schon nicht an jeder Ecke gibt, soll es auch eine Cigarre sein, dies es nicht an jeder Ecke gibt. Die "fine & rare" von Alec Bradley sollte also perfekt passen. Zehn verschiedene Tabake sind hier verarbeitet. Den recht üppigen Ring, der einer zu groß geratenen Briefmarke gleicht, haben Roller, Masterblender und der Chef des Hauses, Alain Rubin, persönlich signiert. Außerdem ist das Rolldatum und der Tag der Veröffentlichung genannt. Mein Exemplar wurde am 13.02.2011 gerollt und am 07.12.2012 veröffentlicht. Leider ist es meine einzige…

Selten zuvor habe ich eine Cigarre mit einem derartigen Aromenspektrum geraucht. Jeder Zug schmeckt anders. Dabei bleibt sie verhalten mittelkräftig und präsentiert sich vorzüglich ausgewogen. Das Zugverhalten und der sehr gleichmäßig runde Abbrand sind absolut perfekt. Die Aromen nach Erde, dunkler Schokolade, etwas Leder, manchmal leicht floral und zur Mitte hin feinster reiner Tabak sind schon ein wirklich besonderer Genuss.

Jetzt soll mir niemand kommen und sagen, Bier passt nicht zur Cigarre. Diese Kombination hier aus dem vordergründig malzigen Weizenbier mir sehr verhaltener Kohlensäure und den wechselnden Aromen der Cigarre ergänzen sich absolut perfekt. Ehrlich, dafür lasse ich jeden noch so guten Wein stehen…

Nach diesem eher selten gewordenen Aha-Erlebnis bin ich jetzt natürlich schon sehr gespannt auf die weiteren drei Biersorten des Winzers. Es warten noch ein Pils, ein RubiAle und ein Indian Pale Ale auf Verkostung. Über diese drei Winzerbiere und ein bisschen mehr zur Historie, wie es dazu kam, berichte ich in der nächsten Kolumne Anfang Oktober.

In diesem Sinne, auf einen noch länger andauernden schönen Spätsommer und smoky greets bis zur nächsten Genießerstunde.


Bezugsquellen:

Alec Bradley Fine & Rare (Torpedo) – www.wolfertz-gmbh.com / Fachhandel
Winzerbier – http://www.brauerei–sander.de