Die Genussverstärker-Kolumne von Gottfried Brückner im Oktober 2013

Winzerbier die 2te und ein Rumlikör dazu…

In der letzten Kolumne hatte ich ja versprochen, zum rheinhessischen Winzerbier noch ein bisschen mehr die Hintergründe zu beschreiben. Viel Zeit war in den letzten Wochen nicht für ausgiebige Genießerstunden. Aber wie heißt das so schön? A bisserl was geht allerweil… Erst recht, wenn ein Feiertag wie der 3. Oktober mal wieder ein langes Wochenende möglich macht.
Inzwischen war ja Tabakmesse und da gab es natürlich allerlei Neuheiten. Am meisten gespannt war ich auf die "La Ley", die neueste Kreation von Didier Houvenaghel, dessen Nicarao Cigarren zu meinen Lieblingen zählen. Zumindest die "Especial". Dieses feine Stück Nicaragua zu toppen, war sicher nicht so einfach. Aber nach den ersten Zügen kann man schon sagen, offensichtlich ist es ihm gelungen. Die La Ley betört bereits optisch durch ein extrem feines, helles Deckblatt. Der Kaltzug lässt darauf schließen, dass sie wahrscheinlich absolut perfekt ziehen wird. Es schmeckt nach fein abgestimmten zarten Kakaonoten und reinem Tabak. Angezündet ist sie relativ schnell voll präsent, entwickelt viel sehr schön cremigen Rauch, der nur winzige Nuancen an Pfeffernoten erkennen lässt. Die minimale Schärfe ist nach 4 – 5 Zügen komplett verschwunden und es machen sich feine Aromen nach Erde, etwas Leder und helle (Milch)Schokolade breit. Gewisse Parallelen zur "Nicarao Especial" hat die "La Ley" für meinen Geschmack durchaus. Aber sie kommt noch etwas edler daher. Ob der minimale Anteil Honduras in der Einlage den dann doch spürbaren Unterschied macht? Muss wohl...

Nun ging es noch darum, welches der drei noch verbliebenen Winzerbiere mit der "La Ley" harmonisiert. Nach den ersten 15mm Asche habe ich mich für das RubiAle entschieden. Alleine schon die Schaumentwicklung beim ausgießen ins Glas ist eine Augenweide der besonderen Art. Das Bier steht rotbraun und hefetrüb im Glas, die Schaumkrone gibt sich königlich. Ein erster Schluck präsentiert die relativ kräftigen knapp 6% Alkohol, sie tragen Aromen von roten, herben Früchten und eine minimale Süße. Hier kann man tatsächlich und absolut gerechtfertigt von einem vollen Körper sprechen. Phantastisch. Wenn ich mehr Sachverstand von den verschiedenen Malzsorten hätte, ich glaube, man könnte jede einzelne raus schmecken. Immerhin sind vier verschiedene Malze hier verarbeitet. Die obergärige Bierhefe und der auch hier genutzte Aromahopfen zaubern eine für Bier absolut ungewöhnliche Aromenfülle unter den Gaumen. Nun hatte ich ja auch mehr Hintergründe versprochen. Bevor ich mir dazu die Finger wund tippe, sei hier auf einen Artikel der Mainzer Allgemeinen Zeitung verwiesen, der über den Bier brauenden Winzersohn alles wissenswerte berichtet: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/rheinhessen/13291084.htm

Bei der inzwischen fast aufgerauchten "La Ley", die ab der Hälfte an Kraft dezent zulegt und neben der hellen Schokonote nun auch fein ausgewogene Aromen von Erde und Leder erkennen lässt, habe ich zum allerersten Mal bei einer Cigarre den Eindruck eines deutlichen Fruchtaromas. Bitternoten in Cigarren mag ich persönlich ganz und gar nicht. Aber hier habe ich im letzten Drittel Anwandlungen, die mich an eine saftige Grapefruit denken lassen. Ein absolutes Novum meiner Rauchgeschichte. Didier, hier ist dir ein wirkliches Prachtstück gelungen! Große Lobung und alle Achtung!

Beim Gedanken an Grapefruits, deren Saison ja so langsam beginnt und deren Genuss ich immer gerne mit einem nicht zu süßen Likör kombiniere, muss ich jetzt, nachdem das Bier entsprechend „verdunstet“ ist, unbedingt noch kurz über eine weitere Neuheit von der Tabakmesse berichten.

In der auf der Messe präsentierten neuen CigarRon Serie von WOLF Rum gibt es neben drei weiteren Geschmacksrichtungen (Cocos, Dark Cacao, Orange) einen Rumlikör mit Mocca. So ein richtig feiner türkischer Mocca hat ja was. Und was soll ich sagen, durch Zugabe von Rum in der Konzentration von 35% Vol hat er noch wesentlich mehr. Die Bitternoten des Mocca werden hier vom Rum getragen wie in einer Sänfte. Sehr genial, unbedingt probieren! Da freue ich mich jetzt schon auf die kalte Jahreszeit und weitere „Experimente“. Denn ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Rumlikör mit Mocca im Winter, leicht erwärmt und mit einer zarten Sahnehaube gekrönt, zum absoluten Knaller avanciert. Aber für den Fall, dass es bis dahin noch den ein oder anderen warmen Tag eines goldenen Oktober gibt, unbedingt den CigarRon Orange in einem Cognacschwenker mit einem Eiswürfel genießen. Zum dahin schmelzen!

In diesem Sinne, auf einen goldenen Oktober und smoky greets bis zur nächsten Genießerstunde.
Ihr

Gottfried Brückner

La Ley und CigarRon – www.wolfertz-gmbh.com / Fachhandel
Winzerbier – http://www.brauerei–sander.de